Revision der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen 2005

Eine Information des Arbeitskreises »Volkswirtschaftliche Gesamtrechnungen der Länder«

Im Februar 2006 wurden vom Arbeitskreis »Volkswirtschaftliche Gesamtrechnungen der Länder« erstmals Ergebnisse der Revision 2005 mit überarbeiteten Werten ab 1991 veröffentlicht. Die Ergebnisse der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen werden in etwa fünf- bis zehnjährigen Abständen überarbeitet, um neue Konzepte einzuführen, methodische Verbesserungen zu realisieren und neue Datenquellen zu erschließen. Dabei ergaben sich die Neuerungen vor allem durch neue Ansätze im Rahmen des europaweit rechtsverbindlichen Europäischen Systems Volkswirtschaftlicher Gesamtrechnungen (ESVG). Die Auswirkungen der erwähnten datenbedingten und der methodischen Änderungen auf die Regionalergebnisse lassen sich im Einzelnen nicht getrennt quantifizieren.

Konzeptbedingte Änderungen

Eine grundlegende Neuerung im Rahmen der Revision 2005 ist die Einführung einer jährlich wechselnden Preisbasis (Vorjahrespreisbasis) für die Deflationierung anstelle der bisherigen Festpreisbasis. Das heißt, dass die realen, jetzt als preisbereinigt bezeichneten Ergebnisse der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen nicht mehr in Preisen eines konstanten Jahres (zuletzt in Preisen von 1995), sondern in Preisen des jeweiligen Vorjahres ausgedrückt werden. So wird das preisbereinigte Bruttoinlandsprodukt (BIP) 2009 in Preisen des Jahres 2008, das preisbereinigte BIP 2008 in Preisen des Jahres 2007 abgebildet. Dies hat den Vorteil, dass immer die aktuellen Preis- und Güterrelationen berücksichtigt werden. Durch Verkettung (chain-linking) der Einzelergebnisse werden langfristige Vergleiche möglich.

Preisbereinigte Größen werden in den Veröffentlichungen des Arbeitskreises »Volkswirtschaftliche Gesamtrechnungen der Länder« jetzt nur als Kettenindizes und Veränderungsraten, jedoch nicht als Absolutwerte in Mrd. EUR dargestellt. Auf Anfrage können auch verkettete Absolutwerte in elektronischer Form bereitgestellt werden. Dabei ist zu beachten, dass die verketteten Absolutwerte nicht additiv sind, d.h. die Summe der verketteten Teilaggregate (z. B. die Bruttowertschöpfung einzelner Wirtschaftsbereiche) nicht das verkettete Gesamtaggregat (z. B. die Bruttowertschöpfung insgesamt) ergibt. Diese Nichtadditivität tritt auch in regionaler Gliederung auf, beispielsweise zwischen dem Bruttoinlandsprodukt auf Bundesebene und der Summe der Länderwerte.

Eine weitere konzeptionelle Neuheit betrifft die Berechnung der »unterstellten Bankgebühr«, die jetzt »Finanzserviceleistung, indirekte Messung« (FISIM) heißt, und nach verwendenden Sektoren und Wirtschaftsbereichen aufzuteilen ist. Diese Finanzserviceleistung umfasst die indirekten Entgelte der Banken, die sie neben den direkt erzielten Umsätzen (z. B. Kontoführungsgebühren) als Differenz zwischen Zinsertrag und Zinsaufwand erwirtschaften. Bisher wurde sie global als gesamtwirtschaftliche Vorleistung verbucht. Um den Teil der Bankdienstleistungen, der eigentlich dem privaten und staatlichen Konsum hätte zugerechnet werden müssen, wurde das Bruttoinlandsprodukt bisher zu niedrig ausgewiesen, so dass revisionsbedingt das Niveau des Bruttoinlandsprodukts tendenziell angehoben wird.

Neue Datenquellen

Im Rahmen der Revision 2005 konnten erstmals Strukturinformationen aus der neuen jährlichen Dienstleistungsstatistik für die unternehmensnahen Dienstleister sowie für die Wirtschaftsbereiche Verkehr und Nachrichtenübermittlung in die Berechnung der Bruttowertschöpfung einbezogen werden. Darüber hinaus werden die Ergebnisse der Dienstleistungsstatistik neuerdings auch für die Ermittlung der Arbeitnehmerentgelte und der Bruttoanlageinvestitionen in diesen Wirtschaftsbereichen verwendet. Bei der Berechnung der Arbeitnehmerentgelte konnte außerdem die Gehalts- und Lohnstrukturerhebung 2001 im Wirtschaftsbereich Handel berücksichtigt werden, die vorher letztmalig im Jahr 1995 durchgeführt worden war.

Die Überarbeitung der Ergebnisse im Bereich Wohnungsvermietung im Rahmen der Revision durch das Statistische Bundesamt ergab ein deutlich niedrigeres Niveau bei der Bruttowertschöpfung auch auf Länderebene. Neue Ergebnisse aus dem Mikrozensus zeigten, dass die Zahl der leer stehenden Wohnungen, für die keine Mieten gezahlt werden, in der bisherigen Rechnung zu niedrig angesetzt worden war, so dass der Produktionswert nach unten korrigiert wurde. Gleichzeitig mussten die Vorleistungen erhöht werden, so dass die Wertschöpfung nach Revision geringer ausfällt.

Methodische Verbesserungen

Um die Qualität der kurzfristigen Berechnungen des Bruttoinlandsproduktes bzw. der Bruttowertschöpfung (Fortschreibungen) zu verbessern, wird ab sofort in den Wirtschaftsbereichen Bergbau, Gewinnung von Steinen und Erden und Verarbeitendes Gewerbe eine vorgezogene Originärberechnung auf der Basis der so genannten Schnell-Kostenstrukturerhebung durchgeführt. Damit stehen zu einem deutlich früheren Zeitpunkt aktuelle Informationen über die wertschöpfungsrelevanten Vorleistungen zur Verfügung.

Bei der Berechnung der Bruttowertschöpfung im Gastgewerbe wurde vom Produktions- auf den Einkommensansatz übergegangen. Bei diesem Ansatz wird die Bruttowertschöpfung Deutschlands zunächst in eine arbeitsbezogene Komponente (Arbeitnehmerentgelt) und kapitalbezogene Komponente (Betriebsüberschuss) aufgeteilt. Anschließend werden diese Komponenten anhand länderspezifischer Arbeitnehmerentgelte und Umsätze regionalisiert und durch entsprechende Summenbildung zur Wertschöpfung des Gastgewerbes je Bundesland zusammengefügt.

Veröffentlichungen

Insgesamt ermöglichen die genannten datenbedingten und methodischen Verbesserungen dem Arbeitskreis »Volkswirtschaftliche Gesamtrechungen der Länder« eine differenziertere Freigabetiefe mit erweiterten Darstellungen seiner Ergebnisse. Die neue Freigabepraxis orientiert sich im Wesentlichen an den offiziellen Zusammenfassungen der Wirtschaftszweigsystematik 2003 (WZ 2003).

Hinweis:
Die VGR-Gemeinschaftsveröffentlichungen in Excel sind in Office 2003 bzw. Office XP erstellt.

Zeichenerklärung

11.6. 2010